Prophylaxe & Therapie oder Doping-Leitfaden für das Höhenbergsteigen?

Kritik zu Beitrag „Im Rausch der Höhe“, erschienen im Fachmagazin "berg und steigen", Frühling 22/ #118

 

Wird im Artikel "Im Rausch der Höhe" versucht, höhensüchtigen Bergsteigern bei mangelnder Vorbereitung einen Leitfaden in die Hand zu geben, damit sie die angestrebte Höhe erreichen?

 

In einem  Brief an die Organisatorin des Beitrages, Frau Dr. Nicole Slupetzky, Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins, habe ich auf offensichtliche Wissenslücken, was den Medikamentenmix betrifft, hingewiesen:

 

Sehr geehrte Frau Dr. Slupetzky,

 

mit großem Interesse habe ich den von Ihnen organisierten Beitrag in der Zeitschrift "berg und steigen" vom Frühling 22/ #118 gelesen.

 

Im Artikel „Im Rausch der Höhe“ (ab Seite 56 bis 61) sehe ich den Versuch, Versäumtes nachzuholen, um höhensüchtigen Bergsteigern bei mangelnder Vorbereitung einen Leitfaden in die Hand zu geben, ihre angestrebte Höhe zu erreichen.

Ich bin kein Arzt, nur Bergsteiger, Berg- und Schiführer mit jahrzehntelanger Praxis und Erfahrung und gehöre aufgrund meines Alters einer anderen Generation als der ihren an.

 

Das was Sie hier (inklusive Literaturverzeichnis) bei Höhenkrankheit als Prophylaxe und Therapie empfehlen, wurde bereits im Buch „Mit Eispickel und Stethoskop“, 2013, von Dr. Oswald Oelz, Mitglied des ÖAV (HG. Gipfelstürmer Ibk.) ausführlich beschrieben:

Dr. Oelz bezeichnet seinen Medikamentenmix „Margherita-Cocktail“: Dieser besteht aus einem kortison-artigen Präparat zur Behandlung des Hirnödems – Dexamethason – sowie Nifedipin bei Höhen-Lungenödem. Zusätzlich kann noch Diamox eingenommen werden, das die Atmung steigert und damit den Sauerstoffgehalt des Blutes erhöht.

Dieser Cocktail wird auch als Doping bezeichnet.

 

Seit der Österreichische Alpenverein das Sportklettern propagiert und fördert, ging das Interesse am Alpinismus beinahe gänzlich verloren. Verloren gingen und gehen dabei auch jegliche Kenntnisse sich in der abwechslungsreichen Natur der Gebirgswelt zu orientieren, sich fortzubewegen wie auch die Kondition beim Steigen.

 

Als Alpinist kletterte ich in allen Schwierigkeitsgraden in Fels und Eis. Dazu zählten auch Schitouren und je nach Vorhaben, um die Kondition zu verbessern, baute ich Geländeläufe und Schilanglauf ein. Nach diesem Konzept bestieg ich schließlich die höchsten Berge und gelangen mir die schwierigsten Anstiege in den Alpen.

 

Sehr geehrte Frau Doktor, ich habe leider den begründeten Verdacht, dass Sie von ihrem näheren Umfeld dazu missbraucht werden, um Doping fürs Höhenbergsteigen salonfähig zu machen. Denn ausgerechnet jene Hochtourengruppe des ÖAV Innsbruck, welcher Dr. Oelz angehört, wollte bereits ab 1978 (nach dem Erfolg der Mount Everest-Besteigung von Messner und Habeler ohne Sauerstoff) den Medikamentenmix „Doping“ salonfähig machen.

Den Beweis liefert hierfür eine mir vorliegende Statistik, sowie die Ehrung von H. Buhl nach 70 Jahren. Dieser Medikamentenmix löste um etwa 1978 die Hitler-Droge „Pervitin“ ab. Laut Aufzeichnungen der „HG. Gipfelstürmer“ begann damit der große Run auf die hohen Berge, selbst für jene Kletterer, die bisher die 4000er in den Alpen nicht schafften.

 

Der 1935 in Innsbruck geborene Gerd K. schrieb in seinem Buch „Erinnerungen“ unter „Solo Khumbu 1998“:„Bei Trekkingtouren kommt man nicht in ganz große Höhen, aber jeder Passübergang ist an die 6.000 Meter hoch. Ich hatte Bergkameraden, die zu den Besten der Welt zählten, die aber nicht einmal die 4.000er der Westalpen schafften.“

 

Mit freundlichen Grüßen

Helmut Wagner

 

Telfs, im April 2022

 

Rechts im Bild: Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins, Frau Dr. Nicole Slupetzky

 

Foto: ÖAV - Österreichischer Alpenverein